Gleichgeschlechtliche Lebensweisen

Fachtag "Homosexualität und Migration": Respekt ist lernbar – kultursensible Aufklärung und Bildung zu Homosexualität

am 10. Juli 2009

Auf unserer ersten Veranstaltung (14. Runder Tisch) zu diesem Thema im September 2007 wurde von den Teilnehmenden der Wunsch nach einem vertiefenden Fachtag geäußert. Wir sind diesem Wunsch nachgekommen und haben mit Renate Rampf vom LSVD, ehemalige langjährige Leiterin des Projekts Migrationsfamilien, und Thomas Kugler von Kombi e.V., langjähriger Mitarbeiter in der Erwachsenenbildung, zwei Fachreferent_innen gefunden, die insbesondere über Herangehensweisen und Methoden in der Arbeit mit Migrant_innen zum Thema Lesben und Schwule vorgetragen haben.

Respekt ist lernbar, sagen Pädagog_innen, und Homosexualität soll Gegenstand der Sozial- und der Bildungsarbeit sein. Aber im Alltag dominieren Unsicherheit und die Sorge, etwas falsch zu machen - so werden Tabus stabilisiert. Immer häufiger wird gefordert, spezielle Angebote für Migrantinnen und Migranten zu entwickeln. Aber wie kann das Thema aufgegriffen werden? Wie kann der Notwendigkeit kultursensibler und diversitätsorientierter Ansätze begegnet werden?

Der Fachtag bot ein Forum für Diskussion über Methoden, Raum für Tipps und best-practice-Beispiele und nicht zuletzt für den Austausch zwischen Theorie und Praxis.

Begrüßung (10.00 Uhr): Ulrich Bachmann (Hessisches Sozialministerium)

Themenblock I (10.15 – 11.15 Uhr): Kultursensibel ohne Kulturrelativismus

Projekte zur Sensibilisierung und für Respekt gegenüber Minderheiten setzen auf Dialog, Begegnung und Argumentation. Methodisch gesehen lebt die Aufklärung vom Mythos der gleichberechtigten Kommunikation, dem Ideal des herrschaftsfreien Diskurses. Kann oder muss man daran festhalten? Vertreten Lesben und Schwule automatisch die Mehrheitskultur, wenn sie mit Migrantinnen und Migranten sprechen? Oder sind nicht auch die heterosexuellen Migrantinnen und Migranten Vertreter einer Dominanzgesellschaft, wenn sie der Minderheit der Homosexuellen gegenüber stehen? Welche Kulturen und Traditionen müssen respektiert werden?

Input: Renate Heike Rampf (LSVD), Diplom-Sozialpädagogin und Philosophin M. A., langjährige Leiterin des Projekts Migrationsfamilien
Kultursensibel ohne Kulturrelativismus - Enttabuisierung als Beitrag zur gesellschaftlichen Aufklärung

Anschließende Diskussion

- kurze Pause -

Themenblock II (11.30 – 12.30 Uhr): Von der Sexualpädagogik zur Menschenrechtsbildung: Lebensformenpädagogik als menschenrechtsbasierter Ansatz zur Auseinandersetzung mit dem Thema Sexuelle Identität

Lebenslanges Lernen ist das zentrale Bildungsziel unserer Gesellschaft, aber meist wird das Thema Sexuelle Identität in den bestehenden Bildungsangeboten ausgespart. Aktuelle fachliche Ansätze wie die Diversity Education und die Menschenrechtsbildung ermöglichen es, neue Zugänge zu Jugendlichen und zu Erwachsenen zu erschließen, um Vorurteile abzubauen und ein Klima der Wertschätzung für Vielfalt - auch für sexuelle Vielfalt - zu schaffen. Das Praxisbeispiel der Lebensformenpädagogik fußt auf einem komplexen Genderansatz, veranschaulicht Mehrfachzugehörigkeiten und befördert einen hierarchisierungsfreien Umgang mit sozialen Unterschieden auf der Grundlage der Menschenrechte.

Input: Thomas Kugler (KomBi - Kommunikation und Bildung, Berlin), Dipl.-Sozialpädagoge, Bildungsreferent im Themenbereich Diversity, Gender und Sexuelle Identität
Von der Sexualpädagogik zur Menschenrechtsbildung: Lebensformenpädagogik als menschenrechtsbasierter Ansatz zur Auseinandersetzung mit dem Thema Sexuelle Identität

Anschließende Diskussion

- Mittagspause -

Themenblock III (14.00 – 15.00 Uhr): Was kann und muss in Hessen geschehen?

Das Themenpaar Migration und Homosexualität formulierte Herausforderungen für die LGBT-Projekte in Hessen. Beiträge der Vertreter_innen der am Fachtag beteiligten Projekte griffen die praktischen Fragen der Umsetzung auf. Hier gab es die Möglichkeit für eine Vorstellung konkreter Schritte sowie einen Ideenbazar mit Beispielen von Aufklärungsmethoden, erprobten Modulen und Praxisberichten.

Plenumsdiskussion zu Zielgruppen und Methoden der weiteren Arbeit in Hessen. 

Abschlussrunde (ab 15.00 Uhr): Austausch der hessischen Lesben- und Schwulengruppen