Gleichgeschlechtliche Lebensweisen

Lebenssituation von Lesben und Schwulen im Alter

 
Zum ersten Mal gibt es in Deutschland eine Generation von älteren Lesben und Schwulen, die in den letzten Jahren offen zu ihrer sexuellen Identität stehen. Die Generationen der Männer und Frauen, die offen lesbisch oder schwul leben, beanspruchen nicht nur, in ihren Rechten mit heterosexuellen Menschen gleich behandelt zu werden, sondern sie fordern nun auch für ihre neue Lebensphase, dass ihre jeweiligen Bedürfnisse berücksichtigt werden. Aus dieser Lebenssituation ergeben sich neue Konsequenzen. Er wird ein neues Bild des Alterns und ein neuer Umgang mit dem Alter notwendig. Dies ist eine große soziale und gesellschaftliche Herausforderung. Die Seniorenarbeit für ältere Lesben und Schwule muss stärker von Verbänden und Verwaltungen aufgegriffen werden und die Altenhilfe muss sich besser auf die Lebenssituation älterer Lesben und Schwulen einstellen.
 
Dieser Tatbestand ist für viele eine beträchtliche Hypothek für das heutige Leben. Immer noch führen viele der älteren lesbischen Frauen und schwulen Männer ein soziales Doppelleben und sind in unserer Gesellschaft unsichtbar. Sie nutzen die Institutionen der Altenhilfe nicht oder sie geben sich dort nicht zu erkennen. Der Grund ist Angst vor Ausgrenzung aufgrund ihrer sexuellen Identität. Sie leben oft vereinzelt und sind einsam, weil sie kaum familiäre Bindungen haben. Gleichwohl wollen sie ihre dritte Lebensphase aktiv planen und Alternativen zu den traditionellen Lebensentwürfen älterer Menschen entwickeln. Eine wachsende Zahl tritt deshalb selbstbewusster als früher auf und fordert zu Recht, wahrgenommen zu werden.
 
Die schwule Generation, die z.B. durch den § 175 StGB Verfolgung, Gefängnisstrafe und Zwangstherapie ausgesetzt war, hat ein anderes Selbstverständnis, ein anderes Bedürfnis nach Selbstbestimmung, als heterosexuelle Seniorinnen und Senioren.