Gleichgeschlechtliche Lebensweisen

Broschüre zum Thema „Diversity“ (2003)

Dokumentation des Fachtages „Diversity“ vom 25. April 2003 in Wiesbaden

Eine Broschüre zum Thema „Diversity“ (PDF) hat das Hessische Sozialministerium jetzt vorgestellt. Es handelt sich um eine 62 Seiten umfassende Dokumentation eines Fachtages in Wiesbaden vom 25. April 2003, auf dem das Hessische Sozialministerium mit Gruppen und Verbänden das von der Europäischen Union vorgegebene „Diversity-Konzept“ diskutierte. Ziel von Diversity ist die angstfreie Integration und Akzeptanz von Menschen unterschiedlicher Eigenschaften im Unternehmen oder in Einrichtungen sowie das Einsetzen der mit diesen Eigenschaften verbundenen Potentiale für die Arbeit der Einrichtung oder des Unternehmens. Über Konzepte wie etwa des Gender Mainstreaming, aber auch zielgruppenorientierter Minderheitenpolitik hinausgehend bezieht Diversity verschiedene Kriterien, die heutzutage noch Anknüpfungspunkte für Diskriminierungen bzw. ungerechtfertigte Ungleichbehandlungen sind – Behinderungen, Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung, Alter – ein. Ziel ist es, die vielfältigen Bedürfnisse und Interessenslagen der Beschäftigten zu erkennen und zu managen, ohne diese jedoch auf eine Gruppenzugehörigkeit festzuschreiben. Dieser Ansatz beruht auf der Erkenntnis, dass die genannten Merkmale jeweils nur einen Aspekt von vielen darstellen und die meisten Menschen eben keiner gesellschaftlichen Gruppe alleine zugeordnet werden können.

In vier Referaten wurde deutlich, dass der Diversity-Ansatz am weitesten bei Konzernen wie der Deutschen Bank oder Ford entwickelt ist. In einem einführenden Grundsatzreferat hat Constance Ohms (Frankfurt/Main) herausgearbeitet, dass dieser bisher überwiegend im Bereich der Arbeitswelt diskutierte Ansatz auch im sozialen Bereich und namentlich in Non-Profit-Organisationen Einzug halten sollte. Der Umgang mit Verschiedenheit (Managing Diversity) setze die bewusste Entscheidung voraus, Verschiedenheiten wahrzunehmen, sie anzuerkennen und als gleichwertig und gleichrangig zu akzeptieren. Der Unternehmensberater Michael Stuber (Köln) plädierte für Verhaltensregeln, mit denen ein diskriminierungsfreies Verhalten am Arbeitsplatz durch die Unternehmens- bzw. Behördenleitung vorgegeben werden sollte. Prof. Ulrike Schmauch von der Fachhochschule Frankfurt entwarf weiterführende Perspektiven für die Einbeziehung von Diversity in die Arbeit der Jugendhilfe und von Wohltätigkeitsorganisationen. Ihrer Ansicht nach gelte es, sozialen Fachkräften einerseits Kompetenzen für den Umgang mit Diskriminierten zu vermitteln; andererseits wurzele diskriminierendes Verhalten zumeist in eigenen Ängsten und mangelndem Selbstwertgefühl. Es komme deshalb darauf an, das Selbstbewusstsein der einzelnen Akteure zu stärken und dadurch Ängste und Vorurteile abzubauen.

Angesichts des großen Beratungsbedarfs stellte der Landesgeschäftsführer der Hessischen Aids-Hilfen, Klaus Stehling, das Konzept eines Diversity-Kompetenzzentrums als einer Servicestelle für Qualifikation, Fortbildung und Qualitätsmanagement vor, das insbesondere soziale Einrichtungen in Diversity-Fragen beraten und begleiten soll. In diesem Zusammenhang wurde vorgeschlagen, ein solches Zentrum im Rahmen der von der Landesregierung angestrebten Profilbildung der Hochschulen an einer hessischen Fachhochschule zu etablieren.

Deutlich wurde insgesamt, dass der Diversity-Ansatz für eine stärkere Zusammenarbeit der mit der Bekämpfung einzelner Diskriminierung beauftragten Stellen in Wirtschaft und Staat sorgen wird.

Die Publikation ist vergriffen. Einzelne Kopien sind kostenlos erhältlich beim Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, Referat II 2, Dostojewskistr. 4, 65187 Wiesbaden, Telefon +49 611/817-3636, Fax +49 611 32719-3662, E-Mail: brigitte.rigault@hsm.hessen.de