Gleichgeschlechtliche Lebensweisen

8. Runder Tisch der hessischen Lesben- und Schwulengruppen

am 19. April 2002

Protokoll des 8. Runden Tisches der hessischen Lesben- und Schwulengruppen

  • Bericht des Referates
  • Grußwort der Ministerin
  • Antidiskriminierungsgesetz
  • Berichte aus den Gruppen

Bericht des Referates

Ulrich Bachmann  begrüßte die zahlreich erschienenen Anwesenden. Er stellte Marianne Schwedler vor, die seit 1. April 2001 als Sachbearbeiterin für diesen Bereich zuständig ist.

Marianne Schwedler  ist 54 Jahre alt, verheiratet und hat eine volljährige Tochter. Als Dipl.-Sozialarbeiterin habe sie überwiegend im Kinder- und Jugendhilfebereich gearbeitet. Mit der Integration des Landesjugendamtes in das Sozialministerium (HSM) habe sie sich für die Bereiche Jugend sowie Lesben und Schwule entschieden. Sie freue sich über eine gute Zusammenarbeit mit den hessischen Lesben- und Schwulengruppen.

Im Anschluss hieran berichtete  Konny Gerhard  aus folgenden Arbeitsbereichen des Referats:

Kirche: Eine Arbeitsgruppe habe eine Unterrichtseinheit zum Thema Homosexualität für den Deutsch- und Religionsunterricht in der Mittelstufe erarbeitet. Derzeit werde versucht, sie an geeigneter Stelle zu publizieren.

Elternarbeit: Am Vortag habe erstmals ein Arbeitskreis mit VertreterInnen der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck, Pro Familia und des Bundesverbandes der Eltern, Freunde und Angehöriger Homosexueller (BEFAH) getagt, der die Aufgabe habe, eine Informationsbroschüre für Eltern homosexueller Kinder zu erarbeiten.

David Profit  berichtete zum Thema Pflegekindschaft und Adoption vomFachtag Regenbogenfamilien, der am 17.09.2001 im Philipp-Jakob-Spener-Haus in Frankfurt stattgefunden ha-be. Unter den TeilnehmerInnen hätten sich u.a. VertreterInnen von Pflegestellen befunden. Dabei habe man sich u.a. auf eine Empfehlung der AG Landesjugendämter aus dem Jahr 1994 berufen können, die Lesben und Schwule ausdrücklich als AdressatInnen für die Werbung für Pflegekindschaften benenne. Die Jugendämter seien darauf angewiesen, eine große Auswahl an Eltern zur Verfügung zu halten, um im Interesse des Kindes eine passende Familie zu fin-den. Auf Wunsch von Staatssekretär Seif werde die Abteilungsleiterin der Familienabteilung gegenüber den Kommunen auf diesen Sachverhalt hinweisen. Das HSM prüfe derzeit eine entsprechende fachlicheHandreichung für die Kommunen. Im Übrigen liege ein Brief der Stadtverwaltung Frankfurt vor, in dem darauf hingewiesen werde, dass Lesben und Schwule als Pflegeeltern willkommen seien. Interessierte könnten sich unter Berufung auf dieses Schreiben an die Stadt Frankfurt wenden. Anwesende kündigten an, bei ihren Kommunen ebenfalls vorstellig zu werden.

Zum Handlungsfeld Schule legte  David Profit  dar, dass der Landeselternbeirat sich bereit erklärt habe, zusammen mit dem Ministerium Antidiskriminierungsmaßnahmen zu unterstützen. Weitere Gespräche seien geplant.

Der auf dem letzten Runden Tisch vorgestellte Gesetzentwurf zum Abbau von Diskriminierungen im hessischen Landesrecht liege inzwischen als Referentenentwurf vor. Das Gesetzgebungsverfahren sei ein sehr aufwändiges Verfahren; realistischer Weise müsse man davon ausgehen, dass es sich lediglich um die Vorbereitung eines Entwurfes für die nächste Legislaturperiode handeln könne. Gesetze, die derzeit geändert würden, stünden von Seiten des Sozialministeriums auch hinsichtlich der Berücksichtigung der Interessen von Lesben und Schwulen auf dem Prüfstand. Ein erster konkreter Fall sei die Neufassung der hessischen Friedhofs- und Grabstättenverordnung.

Grußwort der Ministerin

Anlässlich des Eintreffens von  Sozialministerin Silke Lautenschläger wurde der Bericht des Referates unterbrochen. Die Ministerin begrüßte die Anwesenden. Sie freue sich über die Möglichkeit, die Gruppen in diesem Rahmen kennen zu lernen. Der persönliche Kontakt sei ihr wichtig, zumal die Gruppen bereits seit Jahren kontinuierlich ihre Interessen gegenüber ihrem Hause vermittelten. Darüber hinaus solle ihre Anwesenheit auch als Signal dafür verstanden werden, dass ihr das Thema wichtig sei.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der anwesenden GruppenvertreterInnen und der externen BeraterInnen des Referates sprach   Ministerin Lautenschläger   drei Themenkomplexe an: die Weiterentwicklung von Diversity-Ansätzen, wie sie vor allem aus der Unternehmenspolitik der Vereinigten Staaten bekannt seien, die Situation von lesbischen und schwulen Jugendlichen im Coming-Out und ihr spezifischer Beratungsbedarf sowie die Lebenssituation älterer Lesben und Schwulen.

Ulrike Habert  (Koordinatorin der Konferenz der hessischen Lesben- und Schwulengrup-pen/KhLS) wandte sich daraufhin mit Fragen zu einem Berichtsantrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag an die Ministerin: Nachdem die Antwort der Landesregierung erst nach eineinhalb Jahren erfolgt sei, könne sie sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Antwort die von der Ministerin beteuerte Wertschätzung dieses Politikbereiches keinesfalls widerspiegele. Die Antworten seien vage und unpräzise. Dies werde u.a. bei der Antwort auf eine Frage zum Aspekt der überdurchschnittlich hohen Suizidrate homosexueller Jugendlicher deutlich, die die Annahme nahe lege, dass auf Seiten der Landesregierung bzgl. dieses besonders schwierigen Themas keine besondere Sensibilität bestehe. Die zu diesem Thema in der Antwort genannte Schlussfolgerung der Landesregierung, die eine Verantwor-tungsdelegation auf Schulen und Eltern bedeute, sei als Lösungsansatz unzureichend. Ähnliches gelte auch für andere Antworten.

Ministerin Lautenschläger entgegnete, dass bei der Beantwortung von parlamentarischen Anfragen generell unterschiedliche Aspekte abgewogen werden müssten.

In einer sich anschließenden kurzen Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass in den Fragen an die Landesregierung wichtige Aspekte aus den unterschiedlichsten Bereichen aufgegriffen worden seien - auch hieran könne sich das Ministerium orientieren. Dies gelte auch für eine kleine Anfrage der SPD-Abgeordneten Ypsilanti zur fachlichen Qualifikation und Sensibilisierung von BeraterInnen in hessischen Beratungsstellen. Die Antwort der Landesregierung, dass alle hessischen Beratungsstellen die notwendige Qualifikation mitbrächten, stehe in deutlichem Widerspruch zum Befund einer aktuellen Studie, die klar aufzeige, dass dies nicht der Fall sei ( Susanne Thieringer , Netzwerk Hessisch Lesbisch).

Auf die Frage, inwiefern die Antwort auf den Berichtsantrag eine Bilanz der bisherigen Tätigkeit des HSM aus Sicht der Landesregierung sei oder aber ihre eigene Meinung widerspiegele ( Ralf Harth , Aktion Hessen sagt ja undLAG Schwulenpolitik Bündnis 90/Die Grünen Hessen), antwortete die Ministerin, dass es sich bei der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage um eine Bilanz handele und schon gar nicht um eine Meinungsäußerung, sondern vielmehr um eine Aufgabe, der man gegenüber den parlamentarischen Gremien pflichtgemäß nachkomme.

Hinsichtlich der von der Ministerin angesprochenen Thematik der Unterstützung schwuler und lesbischer Jugendlicher im Coming-Out wurde darauf hingewiesen, dass eine Beratungsstelle in Wiesbaden dieses Thema zu einem ihrer Arbeitsschwerpunkte erhoben habe ( Ingrid Reiss Caritas Wiesbaden). Problematisch sei jedoch in jedem Fall, dass das Thema lesbische und schwule Lebensweisen in der Ausbildung pädagogischer und sozialer Fachkräfte nicht vorgesehen sei und generell in der universitären Ausbildung und in Fort- und Weiterbildung nicht in ausreichender Weise aufgegriffen werde. Auf die Rückfrage von Ministerin Lautenschläger, ob aus Sicht der Praktikerin die Ausbildung der LehrerInnen gegenüber der der ErzieherInnen Vorrang genießen solle, wies Frau Reiss darauf hin, dass inzwischen unumstritten sei, dass bereits sehr früh eine Phase latenter Sexualität vorhanden sei, insofern sei die Qualifikation der ErzieherInnen nicht zu vernachlässigen. Hinsichtlich der Ausbildung der SchulpädagogInnen sei eine Sensibilisierung für Fälle von Missbrauch von besonderer Bedeutung.

Martin Hartmann  (Schwuler Landesverband Hessen/slh) bestätigte, dass die von der Ministerin benannten Themen auch aus Sicht des Schwulen Landesverbandes von besonderer Bedeutung seien. Aus seiner Sicht könnten diese indes nur im Zusammenwirken verschiedener Ministerien adäquat angegangen werden. Insofern interessiere ihn besonders der Fortgang der Arbeit des interministeriellen Arbeitskreises, der vor geraumer Zeit eingerichtet worden sei und der an der Formulierung einer Selbstverpflichtungserklärung der Landesregierung gearbeitet habe.

Ministerin Lautenschläger erklärte, dass dieser Aspekt von Seiten des Fachreferates weiter begleitet werde. Aus ihrer Sicht sei die Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium von besonderer Bedeutung. Die Ministerin sagt zu, sich in dieser Frage an ihre Kollegin aus dem Kultusministerium zu wenden.

Rainer Gütlich  (Veranstalter des Frankfurter CSD) lud Frau Ministerin Lautenschläger ein, auf dem Frankfurter CSD ein Grußwort zu halten. Ministerin Lautenschläger bedankte sich für die Einladung, machte ihre Teilnahme aber davon abhängig, dass dies mit evtl. konkurrierenden Terminen vereinbar sei.

Kai Denker  (Jugendgruppe Our Generation, Frankfurt) wies darauf hin, dass aus seiner Sicht insbesondere ein Qualifikationsdefizit bei den MitarbeiterInnen der Beratungsstellen bestünde. Außerdem sei es wichtig, für Jugendliche eigenständige Angebote zu schaffen. Ein gelungenes Beispiel sei das lesbisch-schwule Jugendzentrum Anyway in Köln. Wünschenswert sei ein eigenes Jugendzentrum für Homosexuelle in Frankfurt. Professionelle Beratung sei nicht ausreichend, wenn nicht auf Strukturen und Angebote verwiesen werden könne.

Martin Hartmann  (Schwuler Landesverband Hessen/slh) betonte, dass eine Vielzahl freier Initiativen existiere, die die Arbeit der PädagogInnen in den Schulen durch Besuche im Unterricht unterstützen könnten. Häufig stießen diese Initiativen jedoch auf Vorbehalte, weshalb eine klare Linie der Landesregierung und eine landesweite Koordination in diesem Bereich von besonderer Bedeutung sei.

Dem hielt  Ministerin Lautenschläger entgegen, dass die Entscheidungen in den kommunalen Strukturen, also vor Ort getroffen werden müssten. Ansprechpartner für die Belange lesbischer und schwuler Jugendlicher seien dort die Jugendhilfeausschüsse und die Jugendamtsleiter.

Christof Schwabe  wies auf den Bedarf für Wohnprojekte für lesbische und schwule Jugendliche hin. Solche Spezialangebote seien als geschützter Raum für die Jugendlichen dann wichtig, wenn die Grenzen der Möglichkeiten der allgemeinen Jugendhilfe erreicht und eine Konfliktbearbeitung in der Familie nicht mehr möglich sei.

Ministerin Lautenschläger bat um eine Einschätzung der Gruppen hinsichtlich des Themas Diversity Management, das sich in ihrem Verständnis nicht nur auf lesbische und schwule Lebensweisen, sondern auf alle Minderheiten bezöge und dem ein Fachtag des Fachreferates gewidmet sei. 

Ulrich Bachmann  ergänzte, dass dieser Fachtag zum fünfjährigen Jubiläum der Runden Tische im Oktober 2002 stattfinden werde. Das Thema habe das Referat in der Vergangenheit - schon seit dem 2. Runden Tisch, auf dem das Thema "Selbstverpflichtungserklärung" ausführlich erörtert worden sei - immer wieder beschäftigt. Ein weiteres Beispiel für den Diversity-Gedanken im Bereich sozialer Einrichtungen sei das Altenpflegecurriculum zum Thema lesbische und schwule Lebensweisen, das vom Referat erarbeitet, von der FH Frankfurt weiterentwickelt und evaluiert worden sei und das seit kurzem auch als Publikation vorliege.

Jean-Luc Vey (Lesbisch-Schwules Kulturhaus Frankfurt/LSKH und gay bankers network Frankfurt) bekräftigte die Sicht des Fachreferates; dieser Ansatz und konkret der Fachtag seien hinsichtlich der Sensibilisierung der Unternehmen von besonderer Bedeutung. Aus seiner Sicht habe das Ministerium hier die Möglichkeit, das Anliegen der Antidiskriminierungsarbeit in der freien Wirtschaft einen wichtigen Schritt voran zu bringen.

Auch  Prof. Dr. Ulrike Schmauch  unterstützte diese Sichtweise. Der Diversity-Ansatz sei nicht zuletzt deshalb von Bedeutung, weil er es ermögliche, den existierenden Unterschiedlichkeiten Gewicht, Namen und einen Ort zu geben. Sie wies aber darauf hin, dass man der Gefahr begegnen müsse, dass dieser Ansatz ähnlich stark verflache wie der des Gender Mainstreaming. Er könne jedoch ein sehr aktiver, unterstützender sein, wenn man darauf achte, dass die Besonderheiten der lesbischen und schwulen Lebensweisen, wie die anderer Minderheiten, auch in einem breit angelegten Konzept in angemessener Weise berücksichtigt werden. Die Idee eines Fachtages zu diesem Thema wurde von ihr ausdrücklich begrüßt.

Ministerin Lautenschläger bedankte sich bei den Gruppen für die Hinweise und Anregungen und verließ aufgrund anderweitiger Verpflichtungen die Veranstaltung.

-- MITTAGSPAUSE --

Im Anschluss an die Mittagspause wurde der Berichtsblock mit den Berichten aus den Gruppen fortgesetzt. Die Moderation wurde von  Uli Habert  als Koordinatorin der Konferenz der hessischen Lesben- und Schwulengruppen/KhLS übernommen.

Zunächst berichteten Kai Denker  und  Georg Hoppe  (Jugendgruppe Our Generation, Frankfurt) über die Situation der Jugendarbeit für Lesben und Schwule in Hessen. Ihre Darstellung liegt dem Protokoll als Anlage bei.Das Sozialministerium ziehe sich keineswegs aus der Antidiskriminierungsarbeit zurück, sondern werde diese weiterhin offensiv vertreten.

Martin Hartmann  (Schwuler Landesverband Hessen/slh) berichtete vom Besuch der KhLS und des slh bei Staatssekretär Seif, an dem er und Susanne Thieringer von Seiten der KhLS teilge-nommen hätten. Nachdem sich das erste Treffen im vergangenen Jahr durch eine sehr kon-struktive Atmosphäre ausgezeichnet habe, sei das zweite Treffen leider und unvorhergesehe-nermaßen durch großen Zeitdruck gekennzeichnet gewesen. Es habe sich aber erneut gezeigt, dass der Staatssekretär am Thema sehr interessiert und bereit sei, sich dafür einzusetzen. Im Mittelpunkt des Interesses habe für den Schwulen Landesverband ein hessisches Antidiskrimi-nierungsgesetz gestanden. Staatssekretär Seif habe diesbezüglich darauf hingewiesen, dass es sich bereits in Arbeit befinde und zügig fertiggestellt werde. Er habe darauf hingewiesen, dass keine neuen Gesetze geschaffen, sondern die bestehenden auf diskriminierende Rege-lungen hin überprüft würden. Weitere Themen seien der Stand der Erarbeitung der angekündig-ten Elternbroschüre, der Berichtsantrag von SPD und Grünen sowie die kleine Anfrage der SPD-Abgeordneten Ypsilanti gewesen. Der slh werde die Entwicklung in der Landesregierung weiterhin kritisch begleiten; ein nächstes Treffen mit dem Staatssekretär sei für Herbst/Winter 2002 avisiert.

Reinhard Thole  (Lesben und Schwule in der Union/LSU) unterstützte die Einschätzung von Martin Hartmann. Das Thema Lesben- und Schwulenpolitik sei auch aus seiner Sicht beim Staatssekretär "gut aufgehoben". Dies zeige sich nicht zuletzt in der Vielzahl der Termine, die er diesbezüglich wahrnehme. So habe er in dieser Woche ein Treffen mit der LSU und eines mit dem gay bankers network gehabt. Hinsichtlich der in die Kritik geratenen Beantwortung des Berichtsantrags wies er darauf hin, dass es sich um ein typisches parlamentarisches Instrument handele, das man nicht überbewerten dürfe. Es sei üblich, dass Regierungen auf diese Anfragen knapp antworteten, schon um zu vermeiden, dass sie sich inhaltlich auf bestimmte Aspekte verpflichten. Aus seiner Sicht biete der Berichtsantrag Ansätze, die Arbeit des HSM zu unterstützen.

Ulrike Habert  (Koordinatorin der KhLS, von Hessisch Lesbisch und des Frankfurt Forum) berichtete von der Entwicklung des Runden Tisches in der Frankfurter Stadtverwaltung. Am 5. März habe nach zwei Jahren Vorbereitung dessen erstes Treffen stattgefunden. Die Leitung habe Dezernentin Jutta Ebeling übernommen, von Seiten der Bewegung hätten sechs Lesben und sechs Schwule teilgenommen (darunter jeweils drei StellvertreterInnen). Aus den Reihen der Stadtverordneten hätten Stefan Siegler (CDU), Prof. Birkenfeld-Pfeiffer (CDU), Stefan Majer (B'90/Gr) und Frau Enzmann (SPD) teilgenommen.

Die Koordination des Frankfurt Forums sei Uli Habert und Hans-Peter Hoogen anvertraut worden. Das Frankfurt Forum habe zur ersten Sitzung kurze Skizzen zu einzelnen Themen (Jugend, Familie, Alter, Gewalt, strukturelle Integration, Arbeit) sowie ein Strukturpapier vorbereitet. Es sei vereinbart worden, vier Fachgruppen zu den Themen Jugend, Alter, strukturelle Integration und Gewalt zu bilden. Der zweite Runde Tisch sei für Mitte Juni avisiert. Der Runde Tisch werde eine eigene Internetpräsenz im Rahmen des Internetauftrittes der Stadt Frankfurt erhalten.

Constance Ohms (Anti-Gewaltprojekt des LIBSHessisch Lesbisch) berichtete vom letzten Symposion Hessisch Lesbisch, das im November vergangenen Jahres zum Thema Grenzen von und unter Lesben stattgefunden habe. Die Infoblätter von Hessisch Lesbisch fänden große Nachfrage, die Erarbeitung eines nächsten Infoblattes zum Thema Jugend sei in Planung. Hessisch Lesbisch sei auch bundespolitisch aktiv geworden und habe bei der Anhörung des Bundesjustizministeriums zum Thema Antidiskriminierungsgesetz Position bezogen. Darüber hinaus sei Hessisch Lesbisch an der Arbeit des Frankfurt Forum beteiligt. Als neues Projekt sei ein "politisches Frühstück" in Planung. Abschließend wies Constance Ohms darauf hin, dass Hessisch Lesbisch zu den wesentlichen Initiatorinnen einer Vernetzung der lesbischen Netzwerke auf Bundesebene zähle. Näheres sei unter www.frankfurt.gay-web.de/hessisch-lesbisch zu finden.

Bernd Wangerin (lesbisch-schwuler Pfarrkonvent in der EKHN) bat um Unterstützung der Initiative des Leitenden Geistlichen Amtes der EKHN auch durch Gruppen, die sich nicht als kirchlich verstünden. Die Position dieser wichtigen kirchlichen Institution, die sich für eine Segnung lesbischer und schwuler PartnerInnenschaften ausgesprochen habe, sei in der EKHN nicht unumstritten. Die Zustimmung oder Ablehnung durch die nächste Synode der EKHN werde gesamtgesellschaftlich sicherlich als bedeutsames Signal wahrgenommen werden. Nähere Informationen zu diesem Thema fänden sich auf den Internetseiten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau http://www.ekhn.de/ unter der Rubrik Downloads.

Auf Bitte der Gruppen wird die Adresse für Schreiben an das Leitende Geistliche Amt in das Protokoll aufgenommen: 
Herrn Kirchenpräsidenten Prof. Dr. Peter Steinacker, Leitendes Geistliches Amt, Kirchenverwaltung der EKHN, Paulusplatz 1, 64285 Darmstadt

Antidiskriminierungsgesetz

Nachdem keine weiteren Berichte aus den Gruppen vorlagen, berichtete Constance Ohms  aus dem Bereich Anti-Gewalt-Arbeit, insbesondere zu folgenden Punkten:

  • Selbstverpflichtungserklärung der hessischen Polizeischule
  • KontaktbeamtInnen in Frankfurt
  • Hessische KontaktbeamtInnen werden angefragt: Statistik, Vernetzungsstruktur et al.
  • Aus und Fortbildung: Aufnahme in das Curriculum der Hessischen Polizeischule: Ethik und andere Bereiche.
  • Fachtag bei der Polizeihochschule
  • Kommunale Präventionsräte
  • Opferarbeit.

Ulrich Bachmann  berichtete über den derzeitigen Stand der Planungen der Feier zum fünfjährigen Bestehen des Runden Tisches der hessischen Lesben- und Schwulengruppen. Die Veranstaltung solle am 11.10.2002 im Casino auf dem Campus Westend der Frankfurter Universität stattfinden. Voraussichtlich werde sie, wie bereits erwähnt, mit einem Fachtag zum Thema Diversity beginnen, an den sich ein kleiner Empfang anschließen soll. Nähere Informationen würden rechtzeitig bekannt gegeben.

David Profit  berichtete über die mündliche Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts zum Lebenspartnerschaftsgesetz.

Sodann bat Herr Bachmann die Kontaktbeamtin für Lesben und Schwule beim BKA in Wiesbaden,  Frau Lynn Aspinall , über ihre Tätigkeit zu berichten.

Frau Aspinall berichtete, dass zunächst der katholische Amtsdiakon als Ansprechpartner benannt worden sei, später habe sich Frau Aspinall aus eigener Initiative um den Arbeitsauftrag beworben. Ihr Outing im BKA habe nicht wie erhofft dazu geführt, dass amtsweit auch andere KollegInnen offener mit ihrer homosexuellen Orientierung umgehen. Die Amtsleitung habe aus ihrer Sicht den Stellenwert des Themas zunächst unterschätzt gehabt. Inzwischen sei sie zu der Überzeugung gelangt, dass sie in ihrer Tätigkeit einen langen Atem brauche. Im Intranet des BKA sei eine Homepage eingerichtet worden, eine eigene E-Mail-Adresse sei vorhanden. Als erstes deutlich positives Signal sei die Tatsache zu werten, dass sich die AG Personalfürsorge mit dem Thema beschäftige. Diese AG sei hochkarätig besetzt, unter anderem sei auch die BKA-Amtsleitung beteiligt. Ein Entwurf der Amtsleitung für eine Selbstverpflichtungserklärung liege dort schon länger zur Diskussion vor. Die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem zuständigen Mitglied der Amtsleitung wird betont.

Veranstaltungsankündigungen:

  • 13.07.2002 CSD in Kassel "Multisexy - ein Kassel Buntes" mit Party am Abend und Kino am Vortag. Nähere Informationen über das Schwulenreferat an der GH Kassel.
  • 20./21.07.2002 CSD in Frankfurt
    Motto: "Wir haben unsere Geschichte nicht vergessen". Nähere Informationen auf der Inter-netseite www.csd-frankfurt.de. Die Parade soll in diesem Jahr wieder stärker einen politi-schen Charakter annehmen. Es wird um rege Teilnahme gebeten, Transparente sind aus-drücklich erwünscht. OB Roth habe ihre Teilnahme abgesagt, an ihrer Stelle werde Jutta Ebeling, Dezernentin für Schule, Umwelt und Frauen der Stadt Frankfurt, auf dem CSD sprechen.
  • 13.07.2002 CSD Wiesbaden (nicht Dernsches Gelände, sondern Kranzplatz).

Termin des nächsten Runden Tisches

Als Termin für den nächsten Runden Tisch wurde der Zeitraum April/Mai 2003 festgelegt; er soll wiederum an einem Freitag von 10 bis 15 Uhr stattfinden.

Abschließend dankte Ulrich Bachmann allen Anwesenden für die Teilnahme und schloss die Veranstaltung.

Wiesbaden, im Juni 2002

Protokoll: Klaus Stehling